Aktuelles
DRINGENDER AUFRUF ZUR AUFKLÄRUNG DES VERSCHWINDENS DES HAMBURGER WOLFES
Die Taskforce: Artenschutz e.V. bittet die Öffentlichkeit um Unterstützung bei der Aufklärung des Verschwindens des jungen Wolfs, der nach seiner Umsiedlung mit einem Peilsender ausgestattet worden war.
Nach Angaben der zuständigen Behörden ist der Kontakt zum Sender Ende Mai abrupt abgerissen. Weder das Tier noch der Sender konnten bislang gefunden werden. Fachleute halten es für möglich, dass der Wolf getötet und der Sender vorsätzlich zerstört wurde. Zugleich sind die genauen Umstände weiterhin ungeklärt.
Gerade deshalb ist jetzt jede sachdienliche Information von Bedeutung.Belohnung für entscheidende HinweiseDie Taskforce: Artenschutz e.V. setzt eine Belohnung von 500 Euro für Hinweise aus, die
- zum Auffinden des toten Wolfes führen,
- zum Auffinden des verschwundenen Senders beitragen,
- oder zur Identifizierung des oder der Verantwortlichen führen und durch belastbare Beweise gestützt werden.
Wir laden darüber hinaus ausdrücklich Vereine, Stiftungen, Unternehmen sowie Privatpersonen ein, diese Belohnung aufzustocken. Jede zusätzliche Unterstützung erhöht die Chancen, diesen Fall aufzuklären und mögliche Straftaten gegen streng geschützte Wildtiere nicht ungesühnt zu lassen.Wer die Belohnung finanziell erhöhen möchte, kann seinen Beitrag per PayPal an taskforce-artenschutz@gmx.de senden. Bitte als Verwendungszweck bzw. Stichwort „Hamburgwolf“ angeben. Sämtliche zweckgebundenen Spenden fließen vollständig in die Auslobung der Belohnung für sachdienliche Hinweise in diesem Fall ein.Über die Gesamthöhe der Belohnung wird die Taskforce: Artenschutz e.V. transparent informieren. Sollte das Tier wohlbehalten aufgefunden werden, werden wir alle zweckgebundenen Spenden für die Belohnung selbstverständlich an die jeweiligen Spender zurückerstatten. Transparenz und ein verantwortungsvoller Umgang mit den uns anvertrauten Mitteln sind für uns selbstverständlich.Wer kann helfen?Gesucht werden Personen, die
- Beobachtungen im Bereich der letzten bekannten Aufenthaltsorte gemacht haben,
- verdächtige Aktivitäten, Fahrzeuge oder Personen wahrgenommen haben,
- über Informationen zum Verbleib des Wolfes oder des Senders verfügen,
- Fotos, Videos oder andere Beweismittel besitzen,
- oder sonstige Hinweise geben können, die zur Aufklärung beitragen.
Auch Informationen, die zunächst unbedeutend erscheinen, können für die Ermittlungen von entscheidender Bedeutung sein.Unser AppellSollte sich der Verdacht bestätigen, dass ein streng geschützter Wolf illegal getötet wurde, handelt es sich nicht nur um einen Angriff auf ein einzelnes Tier, sondern auf den gesetzlichen Artenschutz insgesamt.
Deshalb bitten wir alle Bürgerinnen und Bürger, Jäger, Landnutzer, Naturfreunde und Anwohner, aufmerksam zu sein und vorhandene Informationen weiterzugeben.
Wichtiger Hinweis
Die Taskforce: Artenschutz e.V. distanziert sich ausdrücklich von jeder Form der Selbstjustiz!
Wir rufen ausschließlich dazu auf, rechtmäßig erlangte Informationen an die zuständigen Behörden oder an die Taskforce: Artenschutz e.V. zu übermitteln. Niemand soll eigenständig ermitteln, Personen verfolgen, Grundstücke betreten oder andere Maßnahmen ergreifen, die gegen geltendes Recht verstoßen.
Die Aufklärung möglicher Straftaten ist Aufgabe der zuständigen Ermittlungsbehörden.Jetzt Hinweise meldenWer über sachdienliche Informationen verfügt, wird gebeten, diese zeitnah und vertraulich mitzuteilen.
Jeder Hinweis kann entscheidend sein. Gemeinsam können wir dazu beitragen, die Wahrheit ans Licht zu bringen und sicherzustellen, dass Verstöße gegen den Artenschutz aufgeklärt werden.
Informationen bitte an: info@taskforce-artenschutz.de
Maximilian Hempel
1. Vorsitzender
Taskforce: Artenschutz e.V.
„Artenschutz braucht Aufklärung.“
Für Rückfragen:
Maximilian Hempel 1. Vorsitzender Tel.: 0160/92286061
E-Mail: info@taskforce-artenschutz.de
COEXISTENCE WALK 2026 – Eine Woche, die Hoffnung macht
Vom 29. Mai bis zum 4. Juni durfte ich am COEXISTENCE WALK 2026 in Brandenburg teilnehmen. Was ursprünglich als mehrtägige Dialog- und Wanderveranstaltung rund um das Thema Wolf, Herdenschutz und Koexistenz geplant war,entwickelte sich für mich zu einer der eindrucksvollsten Erfahrungen der letzten Jahre.
Bereits am Anreisetag im Turmhotel Schwedt wurde deutlich, dass diese Veranstaltung etwas Besonderes werden würde. Viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer kannte ich bereits aus Telefonaten, Videokonferenzen, sozialen Netzwerken oder aus der gemeinsamen Arbeit für Natur- und Artenschutz. Manche Namen begleiten mich seit Jahren. Doch nun standen wir uns zum ersten Mal persönlich gegenüber.
Es waren vertraute Begegnungen mit Menschen, die man gefühlt schon lange kennt, obwohl man sich bislang nie die Hand gereicht hatte. Gleichzeitig entstanden viele neue Kontakte und Freundschaften.
Besonders beeindruckt haben mich Harry und Gabriele Neumann von der Naturschutzinitiative. Ebenso durfte ich Peter Nawrath kennenlernen, der vielen Menschen, die sich mit dem Thema Wolf beschäftigen, längst ein Begriff ist. Seine sympathische, offene und authentische Art machte ihn vom ersten Moment an zu einer Persönlichkeit, mit der man stundenlang sprechen konnte. Überhaupt war die gesamte Veranstaltung geprägt von außergewöhnlichen Menschen, die eines gemeinsam hatten: den Wunsch, Lösungen zu finden statt Konflikte zu verschärfen.
Auch aus den Reihen der Taskforce: Artenschutz e.V. waren Mitglieder wie Frank die gesamte Zeit mit dabei. Unsere vielen Gespräche und gemeinsamen Erlebnisse werden mir noch lange in Erinnerung bleiben. Besonders beeindruckend war sein enormes ornithologisches Fachwissen. Während der Wanderungen identifizierte er scheinbar mühelos zahlreiche Vogelarten anhand ihrer Stimmen und vermittelte vielen Teilnehmern spannende Einblicke in die heimische Vogelwelt. Solche Momente machten den besonderen Charakter dieser Veranstaltung aus.
Die ersten beiden Tage standen ganz im Zeichen des Kennenlernens und der Fachvorträge. Expertinnen und Experten aus Deutschland, Polen und Österreich brachten ihre Erfahrungen ein und beleuchteten das Thema Koexistenz mit dem Wolf aus unterschiedlichsten Blickwinkeln. Dabei wurde schnell klar, dass es keine einfachen Lösungen gibt, aber sehr wohl viele Menschen, die bereit sind, gemeinsam nach ihnen zu suchen.
An den folgenden Tagen führte uns der Weg durch die beeindruckenden Landschaften des Unteren Odertals. Die Wanderungen waren weit mehr als reine Wegstrecken zwischen den Veranstaltungsorten. Sie wurden zu mobilen Diskussionsräumen. Zwischen Auenlandschaften, Wiesen und Wäldern entstanden Gespräche, die in klassischen Konferenzräumen wahrscheinlich niemals zustande gekommen wären.
„Der Coexistenz Walk in Brandenburg war für mich eine rundum gelungene und hervorragend organisierte Veranstaltung. Die Fachvorträge der verschiedenen Referenten waren sachlich, informativ und konstruktiv, ebenso wie die anschließenden Diskussionen. Besonders geschätzt habe ich das angenehme Miteinander in der Gruppe sowie das gemeinsame Engagement für unsere wilden Wölfe.
Auch die Wanderung war sehr gelungen. Während der gesamten Veranstaltung fühlte ich mich jederzeit willkommen, gut aufgehoben und bestens versorgt. Insgesamt war es ein tolles Erlebnis, das gerne wiederholt werden sollte, da der Austausch und die Auseinandersetzung mit dem Thema Wolf von großer Bedeutung sind.“
– Amelie V., Teilnehmerin des Coexistence Walk 2026 und stellvertretende Regionalleitung Baden-Württemberg der Taskforce: Artenschutz e.V.
Besonders bemerkenswert war die Gesprächskultur. Menschen mit teilweise sehr unterschiedlichen Ansichten begegneten sich respektvoll und auf Augenhöhe. Niemand musste seine Überzeugungen aufgeben. Stattdessen entstand ein ehrlicher Austausch darüber, wie Koexistenz in der Praxis funktionieren kann.
„Der 1. Coexistence Walk 2026 bot fundierte Expertenvorträge, offenen Austausch und wertvolles Networking in einer fairen, respektvollen und lösungsorientierten Atmosphäre. Auch Weidetierhalterinnen und Weidetierhalter waren ausdrücklich eingeladen, ihre Perspektiven, Erfahrungen und Lösungsansätze einzubringen. Die Veranstaltung zeigte, wie wichtig der Dialog aller Beteiligten ist, um gemeinsam tragfähige Lösungen für eine sichere und friedliche Koexistenz von Mensch, Weidetieren, Wildtieren und Wolf zu entwickeln. Hoffentlich beteiligen sich in den kommenden Jahren noch mehr Menschen an diesem wichtigen Austausch.
Der Coexistence Walk 2026 überzeugte durch fundierte Expertenvorträge, einen respektvollen Austausch auf Augenhöhe und die Möglichkeit, Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Sichtweisen kennenzulernen. Besonders positiv war die offene, faire und lösungsorientierte Atmosphäre, in der gemeinsam über Wege für eine gelingende Koexistenz von Mensch, Weidetieren, Wildtieren und Wolf diskutiert wurde.
Schade war, dass sich noch nicht alle beteiligten Gruppen an diesem Dialog beteiligt haben. Gerade Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Jägerschaft hätten mit ihren Erfahrungen und Perspektiven zu einem noch breiteren Austausch und gemeinsamen Lösungsansätzen beitragen können. Umso mehr bleibt die Hoffnung, dass sich künftig weitere Beteiligte auf einen konstruktiven Dialog einlassen, damit gemeinsam tragfähige und möglichst breit getragene Lösungen entwickelt werden können.“
– Jutta K., Teilnehmerin des Coexistence Walk 2026 und Regionalleitung Baden-Württemberg der Taskforce: Artenschutz e.V.
Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung war dies für mich eines der wichtigsten Signale dieser Woche: Es braucht nicht hunderte oder tausende Menschen, um etwas zu bewegen. Es braucht die richtigen Menschen. Menschen, die bereit sind zuzuhören. Menschen, die bereit sind, Kompromisse zu suchen. Menschen, die auch bei Meinungsverschiedenheiten die Hand reichen, statt Gräben zu vertiefen. Wenn man diese Menschen gefunden hat, schließen sich automatisch viele weitere an.
Jeder einzelne Teilnehmer hat in diesen Tagen gezeigt, dass genau dieser Weg möglich ist.
Der 3. Juni stand schließlich ganz im Zeichen des Herdenschutzes. Dabei wurde eines besonders deutlich: Effektiver Herdenschutz beginnt nicht bei politischen Debatten, sondern bei fachlicher Kompetenz und praktischer Erfahrung.
Im Mittelpunkt stand dabei der Herdenschutzhund – das vermutlich wichtigste Werkzeug eines funktionierenden Herdenschutzes. Die Vorträge und Diskussionen machten deutlich, wie vielfältig die europäischen Herdenschutzhunderassen sind und wie unterschiedlich ihre jeweiligen Einsatzgebiete aussehen.
Vor allem aber wurde klar, dass Herdenschutzhund nicht gleich Herdenschutzhund ist. Jeder Hund und jede Rasse besitzen einen eigenen Charakter. Jede Herde ist anders. Jede Weide, jede Region und jede Herausforderung verlangt individuelle Lösungen. Erfolgreicher Herdenschutz lässt sich deshalb nicht pauschalisieren.
Es braucht geeignete Hunde, verantwortungsvolle Züchter, erfahrene Halter und vor allem fachkundige Beratung. Gute Herdenschutzkonzepte entstehen nicht nach Schablone, sondern orientieren sich an den konkreten Gegebenheiten vor Ort.
Genau diese Erkenntnis bildet letztlich auch die Brücke zum gesamten COEXISTENCE WALK: Koexistenz funktioniert nicht durch einfache Antworten oder ideologische Positionen. Sie funktioniert durch Wissen, Erfahrung, Respekt und die Bereitschaft, voneinander zu lernen.
Nach diesen Tagen verlasse ich Brandenburg mit vielen neuen Kontakten, wertvollen Erfahrungen und vor allem mit neuer Hoffnung. Hoffnung darauf, dass sachlicher Dialog auch bei schwierigen Themen möglich ist. Hoffnung darauf, dass Natur- und Artenschutz Menschen verbinden können. Und Hoffnung darauf, dass der Weg zu einer erfolgreichen Koexistenz von Mensch, Wolf und Weidetierhaltung weiter beschritten wird.
Der COEXISTENCE WALK 2026 hat gezeigt, dass dieser Weg existiert. Man muss ihn nur gemeinsam gehen.
Maximilian Hempel
1. Vorsitzender
Taskforce: Artenschutz e.V.
Ausführlicher Einsatzbericht
Einsatzbericht Taskforce Artenschutz
Fall GW2672m - Hornisgrinde-Wolf
Nordschwarzwald – Februar bis März 2026
Ausgangslage
Im Winter 2026 rückte der sogenannte Hornisgrindewolf GW2672m in den Mittelpunkt einer intensiven öffentlichen Debatte im Nordschwarzwald. Hintergrund war eine durch die zuständigen Behörden erteilte Abschussgenehmigung für das Tier.
Begründet wurde diese Entscheidung mit dem Vorwurf sogenannter auffälliger Verhaltensweisen, insbesondere der Annäherung an Menschen sowie an Menschen mit Hunden.
Da der Wolf eine streng geschützte Art ist und eine Tötung nach dem Bundesnaturschutzgesetz nur als letztes Mittel zulässig ist, entstand schnell eine breite öffentliche Diskussion über die Verhältnismäßigkeit dieser Maßnahme.
Vor diesem Hintergrund entschied sich die Taskforce Artenschutz, die Situation vor Ort aktiv zu begleiten.
Beginn der Aktivitäten im Nordschwarzwald
Die Aktivitäten der Taskforce Artenschutz begannen Anfang Februar 2026. In den darauffolgenden Wochen waren Mitglieder regelmäßig im Nordschwarzwald präsent.
Der Fokus lag auf drei zentralen Bereichen:
1. Beobachtung der Situation im Territorium des Wolfs
2. Dokumentation möglicher Verstöße gegen Natur und Artenschutzrecht
3. Gespräche mit lokalen Akteuren, Behörden und Bürgern
Parallel dazu entwickelte sich eine starke zivilgesellschaftliche Bewegung aus engagierten Menschen, die durch Spaziergänge und Mahnwachen auf die Situation aufmerksam machten.
Zivilgesellschaftliches Engagement
Über mehrere Wochen hinweg waren täglich zahlreiche Menschen im Gebiet unterwegs. Viele dieser Spaziergänge fanden bewusst ruhig und besonnen statt.
Ziel war es, Präsenz zu zeigen, Transparenz herzustellen und gleichzeitig jegliche Form der Eskalation zu vermeiden.
Besonders bemerkenswert war die Eigenorganisation vieler Beteiligter. Menschen, die sich zuvor nicht kannten, arbeiteten verantwortungsvoll zusammen und unterstützten sich gegenseitig.
Rolle der Taskforce Artenschutz
Die Taskforce Artenschutz beteiligte sich sowohl an Spaziergängen als auch an der Beobachtung und Dokumentation der Situation im Gebiet.
Mitglieder waren häufig bis spät in die Nacht vor Ort. Gleichzeitig wurden zahlreiche Gespräche mit lokalen Akteuren geführt.
Diese Gespräche dienten dazu, die Situation vor Ort umfassend zu verstehen, mögliche Ursachen für die Eskalation der Situation zu analysieren und bei der Entwicklung von Lösungen aktiv mitzuwirken.
Erkenntnisse aus Gesprächen
Die Gespräche vor Ort zeichneten ein vielschichtiges Bild.
Mehrere Faktoren scheinen zur aktuellen Situation beigetragen zu haben:
1. Politische Ebene
Die Abschussverfügung fiel in eine Phase intensiver politischer Diskussionen und in zeitlicher Nähe zu politischen Entscheidungen. Dies führte zu öffentlichen Diskussionen über mögliche politische Einflüsse.
2. Nationalpark Schwarzwald
Im Austausch mit verschiedenen Akteuren wurde deutlich, dass das Thema Wolf im Nationalpark zwar bekannt war, jedoch über längere Zeit nicht die notwendige Priorität erhielt. Andere große Projekte, unter anderem die Diskussion um die Erweiterung des Nationalparks, banden viele Ressourcen.
3. Verhalten einzelner Besucher.
Ein weiterer wichtiger Faktor war das Verhalten einzelner Menschen im Gebiet. Während viele Besucher sehr verantwortungsvoll handeln, kam es über längere Zeit immer wieder zu Begegnungen zwischen Hunden und dem Wolf.
In einer Region, in der bekannt war, dass der Wolf stark auf Hunde reagiert, führten solche Situationen wiederholt zu problematischen Begegnungen.
Dokumentierte Vorfälle
Während der Einsatzzeit wurden mehrere auffällige Vorfälle dokumentiert.
Dazu gehörten unter anderem:
- verdächtige Fahrzeugbewegungen im Nationalpark
- mögliche Verstöße gegen Wegegebote
- ein Kadaverfund nahe Wohnbebauung
- Beschädigungen von Wildtierkameras durch Saboteure
In mehreren Fällen wurden entsprechende Hinweise an zuständige Behörden weitergegeben bzw. direkt Strafanzeige erstattet.
Verlauf der Abschussverfügung
Während der Laufzeit der Abschussverfügung blieb die Situation angespannt. Gleichzeitig zeigte sich ein außergewöhnliches Maß an zivilgesellschaftlichem Engagement.
Bemerkenswert war zudem, dass Sichtungen des Wolfs im Verlauf der Wochen seltener wurden, was möglicherweise auf ein stärkeres Rückzugsverhalten des Tieres hindeutet.
Ende der Abschussverfügung
Mit Ablauf der Frist entschied das Umweltministerium Baden Württemberg, die Abschussverfügung nicht zu verlängern.
Eine Weiterbejagung wird derzeit nicht angestrebt.
Nach aktuellem Kenntnisstand lebt GW2672m weiterhin.
Dank an alle Beteiligten
Ein besonderer Dank gilt allen Menschen, die sich in den vergangenen Wochen im Nordschwarzwald engagiert haben.
Viele von ihnen waren bei Wind, Schnee, Regen und Kälte im Gebiet unterwegs.
Die Mitglieder der Taskforce Artenschutz haben in dieser Zeit insgesamt rund 2400 Einsatzstunden geleistet. Diese Stunden umfassen Präsenz im Gebiet, nächtliche Beobachtungen, Dokumentation, Gespräche und organisatorische Arbeit.
Darüber hinaus konnten wir in den vergangenen Wochen viele engagierte Menschen kennenlernen. Einige von ihnen sind inzwischen Teil der Taskforce Artenschutz geworden.
Ausblick
Mit dem Auslaufen der Abschussverfügung endet eine intensive Phase, nicht jedoch die Verantwortung für den zukünftigen Umgang mit Wölfen im Nordschwarzwald.
Die Gespräche der vergangenen Wochen haben deutlich gemacht, dass es um mehr geht als um einen einzelnen Wolf.
Es geht um die Zukunft der Biodiversität im Schwarzwald und um die Frage, wie Menschen und große Beutegreifer langfristig miteinander leben können.
Die Taskforce Artenschutz wird daher weiterhin Gespräche mit lokalen Akteuren führen und Aufklärungsarbeit unterstützen.
Der Vollständigkeit halber: das Video im Titelbild wurde uns anonym gesendet, stammt aber mutmaßlich von der örtlichen Jägerschaft bzw. vom LJV Hessen.
Freitag, 23.01., sehr früh am Morgen. Noch bevor der Tag richtig beginnt, erreicht uns die erste Nachricht aus dem Einsatzgebiet. Eine Kontaktperson vor Ort schlägt Alarm. Nicht zum ersten Mal. Sie berichtet uns, dass sie in der Vergangenheit bereits mehrfach von örtlich aktiven Jägern bedroht wurde. Gleichzeitig teilt sie uns einen brisanten Fund mit. Inmitten eines Wolfsgebiets wurde ein groß angelegter Luderplatz entdeckt. Ein Ort, an dem gezielt Aas ausgelegt wird, um Wildtiere anzulocken. In einem Wolfsrevier ist das ein hochproblematisches Signal.
Ein paar Tage zuvor taucht online ein Video auf, verbreitet u.a. vom Landesjagdverband Hessen inklusive konkreter Ortsangabe. Gezeigt wird ein angeblich neues sechsköpfiges Wolfsrudel. Begleitet wird der Beitrag von Schlagworten wie "Transparenz". Für uns stellt sich sofort die Frage, welches Ziel diese Veröffentlichung tatsächlich verfolgt. Kurz darauf melden Anwohner zusätzlich eine Ankündigung zur Drückjagd für Samstag, den 24.01. Ausgerechnet in diesem Gebiet. Die Lage spitzt sich weiter zu.
Für die Taskforce: Artenschutz ist schnell klar, dass sofort gehandelt werden muss. Der gesamte Freitag wird zur intensiven Recherchephase. Wir sammeln Hinweise, überprüfen Hintergründe, führen Gespräche und setzen Informationen zusammen. Parallel treten wir mit der zuständigen Jagdbehörde in Kontakt und erhalten den Namen des Organisators der geplanten Drückjagd. Ab diesem Moment beginnt eine tiefgehende Analyse der beteiligten Person. Unsere Recherchen ergeben, dass es sich um einen niederländischen Trophäenjäger handelt, der international unterwegs ist und sich auf die Jagd besonderer Tiere spezialisiert hat. Zusätzlich nehmen wir Kontakt zu Menschen aus dem direkten Umfeld des Reviers auf. Mehrere unabhängige Quellen bestätigen uns, dass diese Person vor Ort als schnell aggressiv, verbal entgleisend und gegenüber Nichtjägern auffällig konfrontativ wahrgenommen wird.
Im Laufe des Freitags verdichten sich weitere Hinweise. Regionale Jäger berichten, dass gezielt über Wölfe gesprochen wird und dass diese im Fokus stehen sollen. Damit wird klar, dass es sich nicht um eine gewöhnliche Drückjagd handelt. Spätestens jetzt ist klar, dass wir eingreifen müssen.
Ab dem Mittag beginnen wir mit der operativen Einsatzplanung. Das betroffene Areal ist sehr groß und die erwartete Zahl der beteiligten Jäger liegt zwischen 80 und 160 Personen. Uns ist von Anfang an bewusst, dass wir diesen Einsatz nicht allein bewältigen können. Deshalb nehmen wir Kontakt mit dem Tierschutzverein Düsseldorf e.V. auf und bitten um Unterstützung. Besonders das Projekt "Jagd im Visier" ist für uns von zentraler Bedeutung, da es für professionelle Jagdbeobachtung, rechtssichere Dokumentation und ein nicht störendes Vorgehen steht. Genau diese Arbeitsweise ist für uns essenziell.
Parallel dazu läuft die technische Vorbereitung auf Hochtouren. Drohnen werden überprüft, Kameras vorbereitet, Akkus geladen, Powerbanks gepackt, Speicherkarten organisiert. Währenddessen liefert unsere Kontaktperson vor Ort weitere wichtige Daten. Standorte von jagdlichen Einrichtungen, Zufahrtswege, Positionen des Luderplatzes, Wolfssichtungen und weitere relevante Punkte werden an uns übermittelt. Das Lagebild wird immer klarer und detaillierter.
Am Abend folgt ein weiterer entscheidender Schritt. Gegen 19 Uhr treffen wir uns in einer mehr als einstündigen Videokonferenz mit dem Wolfspodcast sowie dem Tierschutzverein Düsseldorf, vertreten durch Anita Kreuzer. In diesem Meeting werden alle elementaren Punkte besprochen. Anfahrtsrouten, Gruppengrößen, Aufgabenverteilung, Kommunikationswege, rechtliche Rahmenbedingungen, Notfallketten, medizinische Versorgung, Plan A und Plan B sowie die übergeordneten Ziele des Einsatzes. Jede Rolle wird definiert, jede Eventualität durchdacht. Dieses Gespräch bildet die Grundlage für einen strukturierten und sicheren Einsatz.
Nach dem Meeting bleibt kaum Zeit zum Durchatmen. Fahrzeuge werden gepackt, Ausrüstung verstaut, Routen überprüft. Noch am selben Abend machen wir uns auf den Weg nach Hessen. Mehrere Stunden Fahrt liegen vor uns. Kurz nach 5 Uhr morgens erreichen wir das Einsatzgebiet. Der Wald liegt still und dunkel vor uns. Bevor wir den Treffpunkt anfahren, starten wir mit der ersten Lageerkundung aus der Luft. Die Wärmebilddrohne steigt auf. Dank der zuvor gesammelten Koordinaten wissen wir genau, welches Areal betroffen ist und wo die sensiblen Zonen liegen.
Schon nach kurzer Zeit sehen wir die entscheidende Bewegung. Das Wolfsrudel. Sechs Tiere. In enger Formation. Wachsam. In Bewegung Richtung Südwesten. Wir beobachten das Rudel über einen längeren Zeitraum. Alles deutet darauf hin, dass die Tiere das Gebiet noch vor Beginn der Jagd verlassen könnten. Ein entscheidender Moment.
Anschließend fahren wir zum Treffpunkt und stoßen zu den Mitgliedern von Jagd im Visier. Dort folgt ein intensives Briefing von rund 45 Minuten. Gruppen werden gebildet, Aufgaben verteilt, Kommunikationsstrukturen festgelegt, Erste Hilfe und Notfallabläufe definiert. Jede Person weiß, wo sie stehen muss und welche Aufgabe sie übernimmt.
Der offizielle Beginn der Drückjagd ist für 9 Uhr angesetzt. Bereits gegen 8 Uhr befinden sich alle Teams auf ihren Positionen. Das Gebiet wird strategisch aufgeteilt. Ein Teil unserer Mitwirkenden befindet sich direkt innerhalb des Jagdareals, dort wo geschossen wird und wo die Hauptaktivität stattfindet. Andere Teams positionieren sich an Fluchtrouten, Schneisen und Waldrändern, an denen aufgescheuchte Tiere das Gebiet verlassen könnten. Weitere Gruppen verfolgen die Treiber der Drückjagd in sicherer Distanz und dokumentieren deren Vorgehen. Parallel dazu überwachen wir das Geschehen technisch aus größerer Entfernung und halten sämtliche Abläufe fest.
Nach einiger Zeit werden einzelne Jäger auf unsere Präsenz aufmerksam. Die Stimmung verändert sich spürbar. Die Dynamik kippt. Aus Erwartung wird Zurückhaltung. Aus Aktivität wird Vorsicht. Die Abläufe werden ruhiger, kontrollierter und deutlich defensiver.
Gegen Mittag folgt die entscheidende Entwicklung. Obwohl die Jagd offiziell bis 15 Uhr angesetzt war, wird das Treiben bereits gegen 12 Uhr beendet. Ob unsere dokumentierende Präsenz ausschlaggebend war oder ob das Wild an diesem Tag nicht wie erhofft auf Position war, lässt sich nicht abschließend beurteilen. Entscheidend ist das Ergebnis. Kein Wolf wurde verletzt. Kein Wolf wurde getötet. Das Rudel blieb unversehrt.
Für uns endet dieser Einsatz nicht mit dem Abbruch der Jagd. Im Gegenteil. Wir werden in diesem Gebiet weiterhin präsent sein. Unser Monitoring wird intensiviert. Unsere Beobachtungen ausgeweitet. Unsere Reaktionsfähigkeit weiter gestärkt. Solange der Wolf eine streng geschützte Art ist, werden wir genau dafür einstehen. Mit Präsenz vor Ort. Mit Dokumentation. Mit Technik. Am Boden, im Monitoring und aus der Luft. Für die Wölfe. Für den Artenschutz.
Einsatzbericht: Wolf, Weidetiere und ein offenes Geheimnis
Raum Cuxhaven – Oktober 2025
Ein Wolf, viele tote Weidetiere – und eine Abschussgenehmigung.
Als uns am Freitag, den 17. Oktober, ein dringender Hilferuf aus der Region erreichte, reagierte die Taskforce umgehend. Bereits am frühen Morgen des 18. Oktober, um 02:00 Uhr, machte sich unser Team auf den Weg nach Cuxhaven.
Das Wetter war traumhaft: milde Temperaturen, kein Wind, Sonne pur. Perfekte Bedingungen für unseren mehrtägigen Einsatz – mit mehreren Mitgliedern, Fahrzeugen und einem Auto voller Equipment.
Getarnt als Wildlifefotografen suchten wir das Gespräch mit Spaziergängern, Bauern, Radfahrern und Anwohnern. Die Aussagen waren eindeutig: Herdenschutz? Fehlanzeige.
Viele sagten zudem: „Herdenschutz bringt eh nichts.“
Eine Fähe unter Verdacht
Nach offiziellen Angaben soll eine Fähe für zahlreiche Risse verantwortlich sein – tote Rinder, verletzte Pferde und unzählige Schafe. Besonders betroffen: kleine Herden privater Halter.
Doch schon nach kurzer Zeit verdichteten sich Hinweise auf ein anderes, beunruhigendes Muster. Drei unabhängige Informanten aus der Region schilderten uns dasselbe „offene Geheimnis“:
Kranke, alte oder schwache Tiere – und Tiere, die nicht ins Konzept des Landwirts passen – werden bewusst auf die Weiden gestellt, während die restliche Herde in Sicherheit gebracht wird.
Der Wolf kommt, das Tier stirbt – und der Halter spart Kosten: Behandlung, Abdecker, Zeit. Am Ende gibt es sogar eine finanzielle Entschädigung.
Eine gewagte These, die wir zunächst nicht glauben wollten. Doch dann kam die Entdeckung, die uns aufhorchen ließ.
Eine leblose Kuh mitten im Wolfsgebiet
Am Rand einer Weide, mitten im Gebiet wiederkehrender Wolfsrisse und innerhalb der Zone, in der aktuell eine Abschussgenehmigung gilt, lag eine leblose Kuh.
Mehrfach passierten wir sie im Laufe des Tages – die Position blieb unverändert. Kein Abtransport, kein Eingreifen.
Dieses Bild wirft Fragen auf. Wird hier tatsächlich ein System betrieben, bei dem Tiere geopfert werden, um den Wolf als Sündenbock darzustellen?
Unser Fazit nach drei Tagen Einsatz
Wir besuchten zahlreiche Weiden, führten Gespräche, dokumentierten sorgfältig und sichteten Spuren.
Was bleibt, ist ein zwiespältiger Eindruck: Zwischen ehrlichen Tierhaltern, die um ihre Tiere kämpfen, und jenen, die den Wolf gezielt für wirtschaftliche Zwecke instrumentalisieren, verläuft eine gefährliche Grenze.
Die Diskussion um den Wolf ist emotional – doch Emotion darf niemals die Grundlage für Entscheidungen über Leben und Tod sein.
Wir bleiben dran. Für Transparenz. Für Gerechtigkeit. Für den Artenschutz.



